Sonne - Quelle des Lebens

Das Seminar über die Sonne als Quelle des Lebens fand vom 28.2. bis zum 2.3.2025 in unserem Gästehaus statt. Unter der Leitung von Susanne Hüttemeister und Daniel Fischer, welchen die Astronomie abdeckten, ergänzte P. Christoph die geistlich-biblische Seite dazu.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde führte P. Christoph anhand von Bildern in das Thema ein. Dabei stand die Energie spendende Sonne im Mittelpunkt.
Ein kleiner Seitenblick ergaben sich bei den Sonnenflecken: der Jesuit Christoph Scheiner untersuchte schon 1611 die Sonnenflecken systematisch. Weshalb sind Christen wissenschaftlich tätig? Warum gibt es in einem Kloster eine Sternwarte? Um Wissen über die Schöpfung und damit über den Schöpfergott zu sammeln und den eigenen Glauben zu bereichern.
Als es nach der ersten Abendeinheit doch noch aufklarte, ging es für die Gruppe unter der astronomisch erstklassigen Führung von Susanne und Daniel an den Winter- und Frühlingssternhimmel. Nach über einer Stunde, als die meisten Sternbilder und ihre Highlights erklärt waren, zog hohe Bewölkung auf. Und mit der kalten Temperatur in den Füßen war es ein leichtes Abschied von den abendlichen Sternen zu nehmen.
Am nächsten Morgen stand die Astronomie der Sonne im Mittelpunkt zweier Beiträge:
- Unser Stern, die Sonne: eine Biographie
- Mehr als ein simpler Gasball: die Sonne und ihre Veränderungen
In gewohnt begeisterter und begeisternder Vortragsart zeigten Susanne und Daniel die Entwicklung der Sonne über ihre Jahrmilliarden Lebenserwartung auf. Dabei kam auch das Ende in ca. sechs Milliarden Jahre in den Blick, wo aber schon alles Leben auf der Erde längst vergangen sein wird.
Ans "Eingemachte" der Sonne ging es im zweiten Beitrag mit den inneren Schalen der Sonne und ihren Eigenschaften, wie Temperatur und Druck. Wie die Energie aus dem Inneren nach außen kommt und es Jahrtausende braucht, bis die Energie vom Zentrum an der Oberfläche abgestrahlt wird. Die offenen Fragen wurden auch gestellt: was heizt die Corona, wie wird das Ende der Sonne genau aussehen und vieles mehr.
Am Nachmittag begannen wir uns der Sonne in der Bibel zu nähern. Viele Bibelstellen hatte P. Christoph zusammengetragen und hatte sie in ihren jeweiligen Kontexten vorgestellt. Die Sonne wird oft als Bild für Gott genutzt, um Eigenschaften von ihm zu verdeutlichen. Auf der Textebene der Bibel gibt es eine klare Unterordnung der Sonne unter Gott: sie ist sein Geschöpf und tut das, was er ihr aufträgt.
Daniel brachte sich vor ungewohnter theologischer Seite mit der nächsten Präsentation ein: "Meridiana – die Sonne in Kirchen". Dazu hatte er Bilder aus Kirchen gesammelt in denen ein sogenannter Meridian - Mittagsstreifen für die Sonne installiert wurde. Mit ihnen konnte die genaue Länge des Sonnenjahres bestimmt und hochgenau die Gregorianische Kalenderreform verifiziert werden. "Ein kaum bekanntes Beispiel kirchlicher Förderung der Astronomie, wenn auch primär anwendungsbezogen."
Da wir schon in Kirchen waren, schloss die nächste Einheit mit der "Sonne in der Liturgie" an. Dabei zeigte die Ostung von Kirchen ihre innere und äußere Hinwendung im Glauben an die Auferstehung, deren Himmelsrichtung traditionell Osten ist. Osten die bevorzugte Gebetsrichtung der Christen! In vielen Hymnen, gerade in denen des hl. Ambrosius aus dem vierten Jahrhundert wird die Sonne als Bild für Christus genutzt. Christus ist unser Heil, das Licht, das er uns bringt und die Sonne das Symbol dafür.
Abschließend wurde auch das Datum des Weihnachtsfestes gestreift, das noch nicht abschließend geklärt ist zwischen der "Berechnungshypothese", die bestimmt vom Frühjahr ausgeht, oder "Religionsgeschichtlichen Hypothese", die vom heidnischen Fest des "Sol invictus" ausgeht.
Als abzusehen war, dass am Abend kein freier Blick zu den Sternen zu erwarten war, machte Daniel noch schnell eine Zugabe zu den Asteroiden und ihrer Gefährlichkeit anhand des aktuellen Beispiels von 2024 YR4. Er zeigte auf, weshalb das Risiko seiner Meinung nach als relativ gering anzusehen ist.
Danach wurden alle Fragen der Kursteilnehmer beanwortet, die sie im Laufe des letzten Tages formuliert hatten. Dabei waren naturwissenschaftliche, theologische und philosophische Themen bunt gemischt dabei. Denn...
Am nächsten Morgen des Sonntages (Nomen est Omen!) zeigte sich die Sonne nach dem Konventamt in strahlendem Glanz!
Mit Sonnenfilter (niemals nie ohne Filter in die Sonne schauen!!!) beobachteten wir im sogenannten Weiß-Licht und im Licht des angeregten Wasserstoff (tiefrot) die Sonne. In der letzteren Variante konnten auch die Protuberanzen, Masse-Auswürfe auf der Sonne beobachtet werden. Dazu bekam P. Christoph von Ralf Mündlein (astro-theke.de) eigens ein Spezial-Teleskop ausgeliehen, das seine Dienste wunderbar tat. In der "normalen" Ansicht der Sonne konnten viele Fleckengruppen bewundert werden, die viele, viele kleinere Sonnenflecken zeigten.
Der Blick auf die Sonne war auch der krönende Abschluss eines vollen und erfüllenden Seminarwochenendes - darüber waren sich alle einig.
Ein Bild von Herbert Zorn ind die Sternwarte hinein: